Mittwoch, 17. Dezember 2014

Ist Religion unabdingbar zu Weihnachten?


Der Ursprung des immer näher rückenden, großen Festes liegt im Christentum begraben und feiert die Geburt Jesu Christi. Ein religiöses Fest also. Die Kirchen werden aber von Tag zu Tag leerer und die Bevölkerung stimmt längst nicht mehr allen Dogmen der christlichen Religion zu. Wer denkt also an diesem besagten Tag an die eigentlichen Wurzeln? Ist Religion und Glaube noch ein wichtiger Bestandteil von Weihnachten?

Für mich ist Weihnachten ein Fest, um mit der Familie und Freunden gemeinsam vom Alltagsstress des gesamten Jahres zur Ruhe zu kommen. Es geht darum ein paar Tage viel Zeit miteinander zu verbringen, zu trinken und zu essen, in der weißen Winterpracht - sofern der Schnee nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt - spazieren oder rodeln zu gehen, morgens gemütlich im Pyjama Pancakes, die wie Weihnachts- oder Schneemänner dekoriert sind, zu frühstücken und abends bei viel Kerzenlicht mit dem Liebsten auf der Couch ein Glas Rotwein zu trinken und über das Leben zu plaudern, den Christbaum zu schmücken und gemeinsam mit unserem Sohn vor dem geschmückten Baum zu stehen und Weihnachtslieder zu singen. Religion erfüllt eine Vielzahl von Bedürfnissen. Sie erklärt und strukturiert die Welt. Religiöse Überlieferungen bieten Glaubensinhalte an, die helfen, die Welt als weniger zufallsabhängig zu begreifen. Der Glaube an immanente oder ultimative Gerechtigkeit und die Vorstellung eines Weiterlebens nach dem Tod stillen existentielle Ängste. Zudem gibt Religion Handlungsangebote in Form von Ritualen und Werten. Dennoch gehen die Menschen seltener in Kirchen und glauben nicht mehr an viele der christlichen Lehrsätze. 

Zu Weihnachten spielt die Religion keine allein gültige Rolle. Vielmehr ist der Ritus selbst entscheidend und gibt uns Menschen einen Rahmen im großen Wirrwarr unserer Existenz. Die gesellschaftliche Relevanz von Riten hat der Autor Erhart Kästner bereits im Jahr 1974 festgehalten, als er schrieb: „Neben dem Drang, die Welt zu gewinnen, liegt ein eingeborener Drang, immer Selbes aus uralten Formen zu prägen. In Riten fühlt die Seele sich wohl. Das sind ihre festen Gehäuse. Der Kopf will das Neue, das Herz will immer dasselbe.“ Menschen greifen auf  kirchliche Rituale wie Taufe, Hochzeit, Beerdigung oder Weihnachten zurück, weil diese Rituale Ordnung schaffen und die Lebenswelt strukturieren. Sie geben uns einen Rahmen, den wir häufig anstelle der religiösen mit persönlichen Inhalten füllen. Das Weihnachtsfest ist ein Beispiel für ein christliches Ritual, dessen Rahmen genutzt wird, um persönlich relevante Sinnquellen zu feiern. Zelebriert  wird zumeist die familiäre Gemeinschaft. Vor ca. 2 Jahren habe ich mich für einen Artikel mit einer Psychologin der Universität Innsbruck zu diesem Thema unterhalten und sie sagte, „Der Mensch braucht Rituale. Sie unterbrechen den Alltag, geben uns Zeit, uns auf das zu besinnen, was wirklich wichtig ist. Und  je weniger wir uns dabei von normativen Erwartungen leiten lassen, sondern das Ritual so gestalten, dass die Inhalte im Vordergrund stehen, desto eher wird das Weihnachtsfest zu einem intensiven und bedeutungsvollen Ritual“.

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