Montag, 17. November 2014

Warten auf ...


Heute waren wir bei einem neuen Kinderarzt, weil wir mit unserem bisherigen Kinderarzt leider keine guten Erfahrungen gemacht haben. Das Angenehme an unserem letzten Arzt war, dass wir immer sofort in die Ordination konnten und keine langen Wartezeiten auf uns nehmen mussten. Bei besagtem neuen Kinderarzt mussten wir heute in Summe eineinhalb Stunden warten. Mein krankes Kind nahm es aber gelassen und entdeckte das wundervoll mit Unmengen an Spielsachen eingerichtete Wartezimmer des Arztes. Ich empfand das Warten eher weniger angenehm. Am Nachmittag, als mein Kind seinen verspäteten Mittagsschlaf nachgeholt hat, ließ mich der erlebte Arztbesuch über das Warten nachdenken. Das Warten gehört als ein ziemlich großer Puzzleteil zu unserem Leben dazu. Sei es, ob man im Wartezimmer beim Arzt, an der Kassa im Supermarkt, im Zug oder im Bus, um von Ort A nach Ort B zu gelangen, wartet. Wir warten auf die große Liebe, auf die endlich einkehrende Gesundheit nach einer Krankheit, auf das Jobangebot, auf die langersehnte Schwangerschaft. Wir warten und warten und warten.

Die Momente, in denen man warten muss, gestalten sich im Alltag immer äußerst merkwürdig. Man befindet sich in einer Art Zwischenraum, der sich zwischen dem eigentlichen Leben befindet. Ein solcher Zwischenraum ist zum Beispiel auch ein Lift. Betritt man einen Lift, herrscht dort eigentlich fast immer Totenstille. Keiner sagt etwas. Warum? Dasselbe gilt auch für Wartezimmer von Ärzten, Kinderärzte sind hier ausgenommen, weil die Kinder sich noch nicht an dieses Schweigetabu des Wartens halten bzw. sie es noch nicht - so wie wir Erwachsenen - verinnerlicht haben. In den Wartezimmern wird auch so gut wie nie gesprochen. Keiner sagt etwas. In Wahrheit hätten die Leute dort aber einiges, um sich verbal auszutauschen. Das Warten ist uns Menschen ein unangenehmer Zustand, aus dem wir schnell wieder heraus und wieder in das echte Leben eintauchen wollen. In einer langen Schlange an der Supermarktkasse stehend, hört man immer irgendwelche Leute rufen: "Bitte eine weitere Kasse öffnen!" Wir warten an einem vereinbarten Ort zur abgesprochenen Uhrzeit auf einen Freund oder eine Freundin und sie erscheint nicht. Wir warten 5 Minuten und rufen dann sofort an, um zu fragen, wo er oder sie bleibt. Warum empfinden wir das Warten als derart lästig und nervend? Der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche sagte, dass ein sicheres Mittel, die Leute aufzubringen und ihnen böse Gedanken in den Kopf zu setzen, sei, sie lange warten zu lassen. Da hatte er allem Anschein nach wohl vollkommen recht. Keiner wartet gern. Eigentlich könnten wir aber diese Momente des Wartens dafür nutzen, um einfach einmal eine kleine Pause vom Leben zu nehmen. So, als ob man beim Film schauen am Fernseher den Pauseknopf betätigt. Kurz durchatmen und den Stillstand genießen, anstatt ihn zu verteufeln. Unsere Zeit ist von Schnelligkeit und Fortschritt geprägt, sodass es auch gut tut, nichts zu tun und das Warten in all seinen Zügen auszukosten. Die Journalistin und Schriftstellerin Friederike Gräff hat vor kurzem ein Buch mit dem Titel "Warten: Erkundungen eines ungeliebten Zustandes" über dieses Thema veröffentlicht und es steht schon auf meiner Wunschliste für Weihnachten.

Kommentare:

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